Herzlich Willkommen zum Klimacamp 2008 vom 15.-24. August in Hamburg

Mitte Mai wird an dieser Stelle unsere Homepage stehen, die Infos zum Camp, den Hintergründen und dem Programm/Aktionen bündeln wird. Hier erstmal provisorisch die nötigsten Infos und der Aufruf des Klimacamps 2008.

 

Für ein ganz anderes Klima!

 

Informieren und Mitmachen:


+ + + Einladung: 17. Mai in Hannover - Vorbereitungstreffen für das Klimacamp 2008 + + +

Bundesweites Vorbereitungstreffen für das Klimacamp 2008

Wann? Samstag, 17. Mai, 10 Uhr (bis max 19 Uhr)

Wo? UJZ Korn, Kornstraße 28/30, Hannover

(Wegbeschreibung: http://www.ujz-korn.de/index.php?option=content&task=section&id=3&Itemid=28)

 

...für ein ganz anderes Klima!

Als Aktive - nicht nur der Umweltbewegung - sind wir der festen Überzeugung, dass der derzeitige offizielle Klimadiskurs keine ausreichende Wirksamkeit entfaltet. Blauäugige technische Scheinlösungen und halbherzigen Appelle zu privater CO2-Einsparung, gebündelt mit einem Klein-Klein aus Bio-Ethanol-Beimischung im Kraftstoff und halbgaren CO2-Ausstoßrichtlinien der EU-Kommission verhindern eine grundlegende, politische Neudefinition von nachhaltiger Politik eher - einem effektiven Klimaschutz steht diese Politik eher im Weg. Ohne grundlegenden Politikwechsel fährt der Laden gegen die Wand!

Auf die Herausforderungen des Klimawandels wollen wir eigene Antworten suchen, die sich nicht nur auf Ökologie beschränken. Fragen nach sozialen und globalen Dismensionen sowie die Kritik an der wirtschaftlichen Wachstumsorientierung müssen mit auf die Tagesordnung der Klimapolitik. Solche Fragen werden wir diskutieren, eine linke Position im Klimadiskurs entwicklen und unseren Widerstand sichtbar machen. Hierbei wollen wir an die erfolgreichen und weithin beachteten Klimacamps in Großbritannien (www.climatecamp.org.uk) und an die Erfahrungen mit der Mobilisierung gegen den G8-Gipfel 2007 in Heiligendamm anknüpfen.

In der Vorbereitung werden noch viele Köpfe und Hände gebraucht: Neben der inhaltlichen und programmatischen Arbeit gibt es viele spzezifische Punkte im Vorbereitungsprozess, die noch von Menschen übernommen werden können und sollen. Deswegen sind insbesondere auch neue Leute willkommen, sich in den offenen Arbeitsprozess einzubringen. Die Grundlagen für die weitere Arbeit in den AGs Infrastruktur, Programm und Mobilisierung/Öffentlichkeitsarbeit wollen wir in Hannover legen.

Auf zum Vorbereitungstreffen für ein bundesweites Klimacamp 2008 am 17. Mai in Hannover!

Anmeldung: Bitte eine Email (mit Ankunftszeit) an: klimacamp08-hh@riseup.net

Übernachtung: Von Freitag (16.Mai) auf Samstag möglich (wegen Ort bitte per Email melden).

Kinderbetreuung: Bei Bedarf bitte melden, wir versuchen die Betreuung gemeinsam zu organisieren

Einen Tagesordnungsvorschlag kommt kurz vorher - Ideen und Wünsche dazu sind herzlich willkommen!

For a cool breeze of resistance!

Die Klimacamp-Vorbereitungsgruppe


Der Aufruf zum KLIMACAMP 2008:

Für ein ganz anderes Klima!

Klimacamp in Hamburg 15. bis 24. August 2008

 

It’s too hot! – Das Klima wandelt sich

Die Atmosphäre heizt sich auf. Selbst die düstersten Prognosen des Weltklimarats der Vereinten Nationen aus dem Jahr 2007 erscheinen inzwischen als zu optimistisch.

Dabei ist Klimawandel mehr als schmelzende Polkappen, ertrinkende Eisbären und Hurrikane mit bislang ungekannter Stärke. Klimawandel ist eine soziale Katastrophe. Die globalen Veränderungen der Ökosysteme spitzen die sozialen Gegensätze weltweit zu. Denn die Auswirkungen der Erwärmung sind ungleich verteilt – zwischen Nord und Süd, aber auch innerhalb von Gesellschaften, zwischen Arm und Reich.

Die Erwärmung der Atmosphäre ist kein Betriebsunfall, sondern das Ergebnis einer Wirtschaftsform, die auf Profit und Wachstum beruht. Aufgrund dieser Höher-Schneller-Weiter-Logik werden im globalisierten Kapitalismus enorme Mengen fossiler Ressourcen verbrannt, etwa für die Herstellung und den Vertrieb von Waren mit Hilfe eines weltumspannenden Logistiknetzes. Und auch wenn fast jedeR inzwischen das Klima retten möchte, der Verbrauch fossiler Energien wie Öl, Gas und Kohle steigt weiter an. Zeit sich einzumischen!

Klimawandel ist big business

Immer schneller steigt die Nachfrage nach Energie und die Preise der Ressourcen steigen. Selbst die Internationale Energieagentur geht davon aus, dass der Höhepunkt der Ölförderung bald überschritten sein wird. Derweil steigt die Treibhausgas-Konzentration in der Atmosphäre und damit die globale Durchschnittstemperatur. Was tun? Gegenteiliger Rhetorik zum Trotz setzen Regierungen und Konzerne weiterhin klar auf fossile Energien: Zwanzig Kohlekraftwerke sollen allein in Deutschland neu gebaut werden; die Automobilindustrie verweigert sich mit Rückendeckung des Umweltministers jeglicher Grenzwerte beim Schadstoffausstoß; Flughäfen werden munter ausgebaut und den stetig wachsenden Energiekonzernen wird militärisch bei der Absicherung ihrer fossilen Ressourcen geholfen. Von einer Energiewende keine Spur.

Stattdessen wird vorgegaukelt, dass mit den entsprechenden technischen Ansätzen alles weiterlaufen kann wie bisher: dank unterirdischer CO2-Lager, emissionsfreien Kohlekraftwerken und den tickenden Zeitbomben in Form von Atomkraftwerken.

Auch beim Verkehr wird ein „weiter so“ propagiert. Denn der Treibstoff der Zukunft wird aus Zuckerrohr, Soja oder gentechnisch modifiziertem Raps gewonnen. Die Folgen: riesige neue Monokulturen, Brandrodung von Urwäldern für Anbauflächen und der Verlust von Ackerland zur Nahrungsmittelproduktion. Während einige wenige vom Geschäft mit dem Biosprit profitieren, sind schon heute die Auswirkungen dieser Politik auf arme Bevölkerungsgruppen sichtbar: In Mexiko wird Mais knapp, endlose Weiten CO2-bindender Eukalyptuswälder laugen in Brasilien die Böden aus und für das lukrative Geschäft mit Palmöl werden in Indonesien Torftropenwälder abgebrannt. Weltweit steigen die Lebensmittelpreise und Menschen hungern, damit die Maschinerie des globalisierten Kapitalismus weiterhin läuft.

Gleichzeitig lässt sich mit Klimawandel viel Geld verdienen – ohne dass es einen ökologischen Nutzen gibt: die meisten Fluggesellschaften bieten „klimaneutrale Flüge“ an; Atomkraftwerke werden als „ungeliebte Klimaschützer“ dargestellt, deren Laufzeiten zum Schutz des Klimas verlängert werden sollen; von Regierung und Unternehmen wird eine „ökologischen Marktwirtschaft“ propagiert. Mit dem Handel von Emissionsrechten verdienen wenige Finanzmarktakteure – tatsächliche Einsparungen bisher Fehlanzeige.

Mit der jetzigen Wachstumsökonomie kann der Klimawandel nicht aufgehalten werden. Die fossilen Ressourcen müssen im Boden bleiben – ein wenig Energieeffizienz hier und da reicht eben nicht. 

Ökologische Prekarität – klimatische Grenzen

Arme Bevölkerungsgruppen – diejenigen, die den Klimawandel am wenigsten verursachen – trifft es am schwersten. Die bestehenden krassen sozialen Unsicherheiten werden sich durch die Auswirkungen erhöhter Temperaturen drastisch verstärken. Der tägliche Überlebenskampf vieler Menschen verschärft sich weiter. Es wird zusätzliche klimatische Grenzen geben, die vielen Menschen das Überleben schwer machen. Es sind die finanziellen Mittel, die über die Möglichkeit entscheiden, negative Folgen des Klimawandels abzumildern. Zur Verfügung stehen diese vor allem in den Industrieländern des globalen Nordens.

Schon heute ist Migration zu Recht die Reaktion vieler Menschen auf das massive Wohlstandsgefälle. Sie finden sich nicht damit ab, dass sie von der Teilhabe am Reichtum ausgeschlossen sind. Sie ergreifen daher die Initiative: Sie überschreiten  Grenzen, um für sich und ihre Familien einen fairen Anteil am Reichtum der Erde einzufordern. Anstatt die Ursachen des Klimawandels wirksam zu bekämpfen und durch Anpassungsmaßnahmen seine Auswirkungen auf die Betroffenen zu vermindern, schotten sich die wohlhabenden Staaten gegen die Zuwanderung von Flüchtlingen ab. An den Grenzen entstehen Zäune, Flüchtlingsboote werden mit allen Mitteln von den Küsten abgehalten und wer es dennoch schafft, wird mit Gewalt abgeschoben. Täglich verletzen sich Menschen an stacheldrahtbewehrten Grenzzäunen, ertrinken im Meer oder werden in ein Land verfrachtet, in dem sie nie zu Hause waren.

Nicht nur global öffnet sich die Schere zwischen Wohlhabenden und Besitzlosen. Auch innerhalb von Staaten – reichen wie armen – sind die Kosten des Klimawandels ungleich verteilt: Menschen mit niedrigen Einkommen sind am stärksten von den Auswirkungen des Klimawandels betroffen. Ihre Wohngebiete werden als erstes überschwemmt, ihre Böden erodieren, ihre Wasserquellen vertrocknen – die ökologische Prekarität verschärft sich. Und im Norden sind es die NiedrigverdienerInnen, die einen überproportionalen Anteil der Klimaschutzkosten tragen müssen. Sie geben proportional mehr ihres Einkommens für Energie aus als Reiche und werden daher z.B. von den Kosten des CO2-Zertifikathandels stärker belastet. Die etwa 1,6 Mrd. Menschen, denen das soziale Recht auf Zugang zu Elektrizität verwehrt ist, tragen am stärksten die sozio-ökologischen Konsequenzen der CO2-intensiven Lebensweise. Ein ganz anderes Klima ist nur möglich, wenn globale soziale Rechte wie das Recht aller auf einen Zugang zu Energie und eine Änderung des fossilistischen Industrialismus zusammen gedacht werden.

Von Seattle über Heiligendamm nach Kopenhagen – eine neue Wetterfront

Als bei der Blockade der WTO-Ministerkonferenz in Seattle 1999 tausende DemonstrantInnen die „Bewegung der Bewegungen“ auf den Weg brachten, ging es um den Protest gegen weitere Marktliberalisierungen, gegen Privatisierung, gegen Konzernherrschaft, also gegen eine neoliberale Form der Globalisierung. Genau diese Kritiken sind weiterhin wichtig beim Kampf gegen Klimawandel. Denn es ist Klimaschutz, wenn weltweit Kleinbäuerinnen und Kleinbauern für soziale Landreformen und gegen eine exportorientierte agroindustrielle Landwirtschaft streiten: Für den Anbau von Grundnahrungsmitteln, gegen Valentinstag-Blumen per Flugzeug in alle Welt. Das Engagement gegen den Klimawandel ist wichtig, weil sich die Rahmenbedingungen aller anderen sozialen Auseinandersetzung unter den Bedingungen der Erwärmung dramatisch verschlechtern.

„Es ist genug für alle da!“ wird gesagt, oder „Alles für alle!“ Richtige Forderungen. Denn „für alle“ ist gut, aber was kann die materielle Grundlage dafür angesichts ökologischer Katastrophen sein? Wie kann es soziale Gerechtigkeit und Klimagerechtigkeit geben? Wie wollen wir leben und arbeiten und wie ist der materielle Reichtum in der Gesellschaft verteilt? Wer besitzt die Energiequellen? Wie sehen solidarische kollektive Lösungen aus, die nicht zu (neuer) sozialer Kälte führen? Und Umverteilung von Nord nach Süd ist notwendig. Nur wenn der Norden seine historische Schuld als Hauptverursacher des Klimawandels tatsächlich massiv Reichtum umverteilt wird, kann man erwarten, dass im Süden verbindlich C02 eingespart werden wird.

Im Dezember 2009 findet die neunte Klimakonferenz in Kopenhagen statt. Noch beim G8-Gipfel in Heiligendamm konnte Angela Merkel sich fast unwidersprochen als Klima-Queen in Szene setzen. Auch wenn internationale Klimapolitik nur ein Terrain bei der Auseinandersetzung für ein Klima der Gerechtigkeit ist, so ist es doch ein Ort, wo die globalen Kräfteverhältnisse sichtbar werden. Mit dem Klimacamp08 werden wir diese verschieben – Schritt für Schritt.

Das Klimacamp – cool breeze of resistance

Das Ziel den Klimawandel abzubremsen und dabei die Kosten gerecht zu verteilen wird nicht einfach zu erreichen sein, denn die heute Mächtigen haben wir gegen uns. Das Klimacamp ist der Ort, wo wir uns gegenseitig informieren und miteinander über andere Verhältnisse von Gesellschaft und Natur diskutieren. Es geht um spektrenübergreifend Strategien und Positionen für eine Klimabewegung. Mit dem Klimacamp gehen wir auf der Suche nach Widerstandsformen gegen die CO2-Ökonomie – auch im Alltag. Um das Klima zu verändern braucht es entschlossene Aktionen. Dazu gehören große und kleine ungehorsame Aktionen. Das Klimacamp ist eines von vielen und vernetzt mit Camps in Australien, Neuseeland, USA, Großbritannien und Schweden.

Unsere Zelte werden wir in Hamburg aufschlagen, in der größten Hafenstadt in Deutschland, dem meist frequentierten Logistik- Knotenpunkt von Schiffs- und Straßenverkehr. Dazu gehört auch der größte Kohlehafen, wo Nachschub aus Australien, Indonesien und Kolumbien für hiesige Kraftwerke und Industrien angelandet wird. Archer Daniels Midland betreibt in Hamburg eine der großen Agrodieselfabriken. Der Energiekonzern Vattenfall steuert von dort aus Atom- und Kohlekraftwerke. Zudem wird parallel ein antirassistisches Camp stattfinden, das u.a. den Hamburger Charter-Abschiebe-Flughafen zum Aktionsziel macht. Die Vorbereitungsprozesse beider Camps werden so aufeinander abgestimmt, dass die Potentiale der Mobilisierungen best möglichst zur Geltung kommen.

Deshalb: Hin zum Klimacamping08! Mach mit bei den Klima-Aktionen. Tanzen, demonstrieren – und blockieren. Für andere Energien. Gegen den Strom. Gegen soziale und ökologische Prekarisierung – weltweit! Lust auf Solidarität! Alles für alle  - aber anders! Wir sehen uns! In diesem Sinne – für ein ganz anderes Klima!

 

die Vorbereitungsgruppe für das klimacamp08

 

Unterstützt von:

viele einzelne, avanti - projekt undogmatische linke, camping07 ag, grüne jugend, glocal group, kein mensch ist illegal hanau, anti-rassismus-büro bremen, linksjugend ['solid], Arbeitskreis Umwelt Wiesbaden, aktivisten von attac, nolager bremen, noya, six_hills, Klimacampgruppe Wiesbaden